Gedanken zu Männerwelten von Joko und Klaas #PTBS

Ich hoffe, dass auch Polizisten, etc diese Message bekommen, damit sie bei Erstattung einer Anklage Frauen und Männer, die betroffen sind, ernst nehmen und nicht belächeln.
Habt ihr gewusst, dass es unterschiedlichen Schmerz gibt, der in seiner Belastbarkeit verschieden ist?
Nun, was hat es mit Sexueller Belästigung bzw. ‚Männerwelten‘ zu tun?

Die Schuldfrage kommt mir sehr oft in den Sinn, sei es durch Gespräche, Artikel, Serien. Es geht darum, wie ich auch bei Männerwelten gezeigt, was der/die Betroffene am Tag der Vergewaltigung und Belästigung trug. Es wird ein Fernglas herausgeholt und mit einem Auge verschärft man den Blick, mal wieder, nur auf den Betroffenen, was häufiger Frauen sind.

Ich weiß nicht mehr was ich trug, nur beim dritten Mal, weil es ein Foto gab und ganz ehrlich, ich werde das nicht in den Diskussionsraum stellen, denn es geht nicht darum, wie man aussah. Das Fernglas sollte nicht auf die, in dem Falle, Frau gerichtet sein und sie mit plagenden Fragen quälen: Warum haben Sie sich nicht gewährt? Warum trugen Sie die Haare offen und nicht als Zopf? Woher kannten Sie den Täter und warum traten Sie ihm gegenüber?

Solche Fragen und Schritte in die Privatsphäre sind vielleicht notwendig, wenn man Anklage erstattet oder in Therapie ist. Aber es braucht doch dafür einen geschützten Raum.

Die Frauen haben einen Schmerz in sich, der kaum jemand 100%ig in Worte fassen kann, kein Dichter, kein Künstler. Es ist ein Schmerz, der nicht wie ein Knochenbruch noch einiger Zeit weg ist und vergessen wird. Es kein Schmerz, der mit schlimmen Schicksalsschlägen, zum Beispiel Kriegserfahrungen und Verlust von geliebten Menschen, verglichen werden sollte. Es ist ein Schmerz, der akzeptiert werden muss und statt mit empathielosen Fragen zu starten, sollte man erstmal lernen jemanden wahrlich, so richtig vollkommen, zuzuhören.

Wenn eine Freundin zu mir kommt, sich bei mir wegen etwas ausheult, dann würde ich nicht auf den Gedanken kommen, ihr die Schuld für die Umstände zu geben. Das ist verletzend. Und wisst ihr was? Dieses Zeigen mit den Finger, dieses in Frage stellen, dieses Misstrauen, wisst ihr wohin das führt?

Genau, wenn man einen Menschen lange und intensiv genug einredet, dass er die Schuld trägt, dann wird er es irgendwann glauben, weil die Selbstzweifel seine funktionstüchtigen Werkzeuge und Helfer sind.

Steckt man einmal in einer Abwärtsspirale, ist es unheimlich schwer da hinauszukommen. Ich habe es erst vor wenigen Monaten geschafft, nach langen vier Jahren. Ich bin nicht stolz darauf, dass es solange gedauert hat, aber wenigsten gab es einen Kipppunkt und ich trennte mich von übergriffigen, grenzüberschreitenden Menschen.

Es geht. Es kann gehen. Und es wird auch gehen!

Ich glaube bis heute, dass ich schuldig bin. Ich glaubte lange, ich hätte es nicht besser verdient. Mein Kopf nimmt sich diesen Schmerz immer und immer wieder zurück, wenn er einen anderen Schmerz (zum Beispiel Arbeitsstress) nicht aushalten, nicht ertragen kann oder zu ‚schwach‘ ist. Ein Hoch auf die Selbstzerstörung. -nicht.

Ich bin damals nicht zur Polizei gegangen, das hatte viele Gründe und heute bereue ich es. Ich wollte mir damals die Polizeigespräche nicht antun, in denen ich wieder angefangen hätte mich zu rechtfertigen, obwohl es dafür keinen Grund gibt. Ich wollte nicht, dass sich das Verfahren in die Länge zieht, ich vor Gericht gehen muss und alles größere Wellen schlägt. Ich wollte einfach raus aus der Nummer und zumindest die Taten vergessen. Was ich auch hinbekam, aber eher als Flucht, sodass bei meiner Rast, mich jegliches einholen kann.

Ich schweife ab.

Männerwelten macht glücklicherweise darauf aufmerksam, was strafbar ist und dass der Weg zur Polizei wichtig ist. Über die Kooperationspartner der Sendung von Joko und Klaas lässt sich streiten, aber allen Anschein nach kann man sich auch ganz gut auf das wesentliche konzentrieren und vor allem: darüber reden.

Das ist viel einfacher gesagt als getan.

Aber gemeinsam ist man bekanntlich weniger einsam. Jemanden Vertrauen zu schenken, kann etwas sehr wertvolles sein. Und über seine Erfahrungen zu reden, sensibilisiert das Umfeld und verstärkt nicht die Selbstzweifel. Stärke dich.

Mehr habe ich gerade nicht in meinem Kopf.

Danke fürs Lesen,

Anne.

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